Dienstag, 25. Dezember 2012

Love Is All You Need

"Love Is All You Need" ist ein Liebesfilm. Eine Romanze. Mit einigen wirklich komischen Momenten. Das unterscheidet diesen Film von sog. Liebeskomödien, wo der meist eher billige Humor fast überwiegt. Genau der richtige Film für Weihnachten. 

Ida (Trine Dyrholm) hat Krebs. Kurz vor der Hochzeit ihrer Tochter erwischt sie ihren Ehemann beim Seitenspung und entscheidet sich allein zur Hochzeit nach Italien zu fliegen. Dort soll das Fest stattfinden, in einer alten Villa, die dem Vater des Schwiegersohnes gehört. Am Flughafen hat sie dann jedoch einen Autounfall und Philip (brilliant: Pierce Brosnan) ist alles andere als begeistert, als er die Mutter seiner Schwiegertochter so kennenlernen muß... So weit so klischeehaft (wenn auch toll gespielt). Doch so richtig geht es erst los als der verwitwete Philip Ida beim Schwimmen im Mittelmeer sieht: Ohne Badeanzug, ohne Perücke (Chemotherapie!) und mit einer häßlichen Narbe an Stelle einer Brust. Er sieht sie alles andere als mitleidig an, er sieht nur eine nackte (und attraktive) Frau. Ida muß ihn bitten sich umzudrehen und fast wie ein kleiner frecher Junge antwortet er "Ich habe doch gar nicht hingeschaut." Natürlich verlieben sich die beiden, doch erstmal geht es an die Hochzeit: Idas Mann taucht auf (samt Geliebter), dann ist da die Schwester von Philips verstorbener Frau, die ganz klar ein Auge auf ihn geworfen hat. Naja, und zwischen den angehenden Eheleuten läuft es auch nicht gerade rund...

Wie gesagt: Ein Liebesfilm. Aber keine Schmonzette. Alle Schauspieler wirken extrem echt, Pierce Brosnan (ohnehin sträflich unterschätzt) spielt den anfangs nur genervten und leicht ätzenden Geschäftsmann locker und selbstverständlich, Trine Dyrholm nimmt man die trotz aller Schicksalsschläge immer muntere Friseuse ebenfalls ab. Bis in die Nebenrollen famos besetzt bietet "Love Is All You Need" beste Unterhaltung, nicht nur während der Feiertage!

Samstag, 22. Dezember 2012

U2 (05.06.1992)


Vorspiel
Ende 1991 wurde ich endgültig zum Fan. Bisher hatten mich U2 eher kalt gelassen. OK, das Album "The Joshua Tree" bzw. dessen Singles gingen schon ziemlich ins Ohr, aber irgendwie hatte ich damals kein Ohr für diese merkwürdige Band. Das sollte sich ändern. Zunächst kaufte ich eine CD namens "Rotterdam" mit Aufnahmen aus Rotterdam (ach was!) und Amsterdam. Durchgängig eher miserable Klangqualität, aber irgendwie machte diese CD Spaß. Ich nahm eine Auswahl davon auf eine Cassette auf und dudelte das Ding in meinem Käfer rauf und runter. Dann kam "The Fly".

Original Island/BMG CD-Single 664 728


"The Fly" war die erste Single aus einem Album namens "Achtung Baby". Liest sich nicht nur merkwürdig - damals war es auch so. Ich hörte die Diskussionen um "The Fly" lange bevor ich das Lied erstmals im Radio vernahm. Und: Ehrlich, ich fands gar nicht so schlimm. Eher... abgefahren. Anders. Neu. 

Etwas später war ich mit einem damaligen Freund im örtlichen Radio- und Fernsehhandel. Dort kaufte man damals auch seine Musik, denn der Laden hatte freundlicherweise ein paar (oder besser: ein Paar) Regale aufgestellt mit den jeweils halbwegs aktuellen Titeln. Ich hatte nicht genug Geld dabei und so lieh er es mir um die CD-Singles von "The Fly" und "Mysterious Ways" zu kaufen. Ich kann es nicht beschwören, aber ich glaube das Album (eben "Achtung Baby") wurde auch gleich mitgekauft. Zu Hause angekommen wurden erst die Singles angehört. Noch immer gehört der "Lounge Fly Mix" zu meinen Favoriten wenn es um U2-Remixe geht. Die "Mysterious Ways"-CD enthält nicht weniger als 5 Versionen des Songs. Der Mix von Apollo 440 ist irgendwie der coolste, weil er so völlig anders ist als das eigentliche Lied. Wo zum Henker sind die Gitarren geblieben?
Aber dann machte ich mich an das Album. Und schon der 1. Song haute mich um. "Zoo Station" rammte mich wie eine U-Bahn und schleuderte mich in die Galaxie Uhzwei wo Lebewesen "Bono" oder "Edge" heißen und sich einen Dreck um ihr Geschwätz von früher scheren. Ging es noch cooler? Vermutlich nicht. Ich erinnere mich jedoch daran gedacht zu haben: "Wie wollen die das live spielen?" Die Rotterdam-CD hatte ich noch in den Ohren - recht handgemachter Rock. Geradlinig, spaßig. Aber vielleicht auch etwas gestrig. Vor allem wenn man sich anhörte was im Rock jetzt offenbar möglich war. Und nichts anderes war "Achtung Baby": Alle Möglichkeiten. Zugleich. Jetzt. Und dann der zweite Gedanke: "Wenn die auf Tour kommen gehe ich hin!".


Tourprogramm


Höhepunkt
Um zu verstehen wie einprägsam dieses Konzert gewesen ist muß man versuchen sich in das Jahr 1992 zurückzuversetzen. Es gab kein Internet und somit hatte man (wenn überhaupt) nur wenige Photos von aktuellen Konzerten gesehen und noch weniger (um nicht zu sagen: gar keine) bewegten Bilder. Heute ist es fast schon normal im Vorfeld zu wissen was eine Band am Abend spielen wird, da man die Setlists der letzten 20 Konzerte 100 mal gelesen hat. Damals gab es das nicht. Man hatte ein Album, vielleicht die Singles und dazu noch die Videos (Dank MTV*). Also fuhr man voll echter Vorfreude zu einem Konzert. So auch ich. Damals hatte ich einen roten VW Käfer, und mit diesem überholte ich an jenem schwülen Sommertag zunächst einen osteuropäischen Bus. Vom Hinterfenster dieses Busses winkten ein paar verschwitzte Jungs herunter. Cool zeigte ich ihnen das "V"-Zeichen (welches sie sofort erwiderten) und war mit meinen 44 PS an ihnen vorbei. 
Die Schwüle wurde drückender und in Dortmund angekommen regnete es leicht, aber der Regen brachte keine echte Abkühlung. Die Fans quetschten sich unter das Vordach der Westfalenhalle und jemand lief "I'm ready..." brüllend an mir vorbei. Drinnen erstmal zum Verkaufsstand der Devotionalien: Tourprogramm und T-Shirt. Das natürlich coolste Shirt überhaupt: Schwarz mit "U2" auf der Brust und dem "ZOO TV TOUR" Logo im Nacken. Dann schnell in die Halle, denn die Vorband spielte schon: Fatima Mansions. Punk? Pubrock? Jedenfalls "Only losers take the bus". Soso lala. Während der Umbauphase konnte ich die Halle und Bühne erst richtig in Augenschein nehmen. Auffälligstes Dekor: Ein von der Hallendecke hängender Trabbi über einer kleinen Bühne in der Hallenmitte. Was zum Teufel...? Und sitzen da tatsächlich Leute HINTER der Bühne?



Dunkelheit, dubiose Geräusche... Bildschirme flackern auf und zeigen Bilder oder Bilderrauschen oder beides zugleich. Was zum Teufel...? Doch es bleibt keine Zeit um nachzudenken, denn Edge zerreißt die Luft mit seiner Guitahre. Ja, das ist "Zoo Station"! Nachdem Bono im hinteren Bühnenteil vor den Bildschirmen hermarschiert steht er plötzlich in der Bühnenmitte: "I'm ready!..." Jawollja. Und weiter gehts mit "The Fly". Und wieder: The Edge! Sein Solo mäht das Publikum nieder und bis heute schwöre ich Stein und Bein, daß niemand aus dem Publikum enttäuscht nach Hause gegangen wäre wenn das Konzert hier geendet hätte. Doch die Band hat gerade erst Fahrt aufgenommen. Bono grüßt das Publikum "Erst der Regen.. und dann die Hitze!" - weiter mit "Even better than the real thing". Ja spielen die denn das ganze Album durch? Fast! Nach 8 oder 9 Songs wandert die Band auf die bereits erwähnte kleine Bühne (B-Stage, später nachgemacht von den Rolling Stones und anderen) und beginnt mit dem Greatest Hits-Teil. Der beginnt mit Akustikguitahren und wird kurz unterbrochen von "Satellite of love". Bis auf Bono verläßt die Band die B-Stage, wobei sich Larry das Seil des von der Decke hängenden Trabbis schnappt und das Auto in Bewegung versetzt. 



Der Trabbi glänzt und glitzert wie eine Diskokugel (oder ein Satellit?) und markiert im Konzert einen ..äh.. Wendepunkt (zur Symbolik des Trabbis im Kontext von U2 siehe auch zahlreiche Interviews mit Anton Corbijn): Danach wird das Gaspedal nochmal durchgetreten, die Band hebt fast ab: "Bad", "Bullet the blue sky" und "Running to stand still", wo Bono wieder einsam auf der B-Stage steht und seine Mundharmonika malträtiert während er von Nebel eingehüllt wird. Plötzlich beginnt "Where the streets have no name" .. auf den Bildschirmen sieht man die U2 der End-80er in der Wüste umherlaufen. Ist das wirklich die Band die ich da gerade höre.. ach was, erlebe?



Nachspiel
Nach dem Konzert war ich wie betäubt. Ehrlich! Ich wankte eine Treppe hinab, flackernde Bilder vor Augen und tausend Eindrücke auf einmal verarbeitend. Ich trat jemandem auf den Fuß und merkte es kaum. Erst sein "Ey" ließ mich aufwachen: "Entschuldigung" murmelte ich und wankte weiter. Jemand tippte mir auf die Schulter. Woher ich das T-Shirt hätte? "Da hinten ist so ein Stand...", ich zeigte in eine unbestimmte Richtung und ging weiter. Was zum Henker hatte ich da gerade erlebt? Jemand verkaufte VHS-Cassetten des Auftritts vom Vortag. Gekauft. Zufrieden ging ich zu meinem Käfer. 

Bis heute ist dieses Konzert mein Lieblingskonzert. Die DVD "ZOO TV Live From Sydney" kommt halbwegs an das heran was ich in Dortmund gehört und gesehen habe. Das liegt sicher daran, daß ich vorher nie so etwas gesehen hatte. Und da ging es wohl nicht nur mir so. Das Zusammenspiel (oder eben das Gegeneinander) der Musik auf der einen und der Videos auf den Bildschirmen auf der anderen Seite war bahnbrechend (ich finde kein anderes Wort). Bisher hatte man auf den Leinwänden immer nur die Künstler gesehen, jetzt zeigte man Bilder um die Lieder zu unterstützen und/oder um die Band anzuspornen sich noch etwas mehr ins Zeug zu legen weil sie sonst niemand beachtet. Was für eine geniale Idee!

Mit der nächsten Tournee wurde es noch etwas größer und mit der übernächsten (fast) zu groß. Es sollte bis 2001 dauern, bis U2 wieder ein wirklich mitreißendes Konzert spielen sollten. Aber das ist eine andere Geschichte. 




U2 Offiziell Online
U2 Fanseite (Deutsch)
Das coolste U2 T-Shirt überhaupt!



* MTV = Music Television. Der Sender zeigte damals fast ausschließlich Musikvideos, Interviews mit Musikern, Live-Im-Studio-Auftritte von Musikern und überhaupt sehr viel Musik. Auch das ist heute wohl unvorstellbar?!


Sonntag, 16. Dezember 2012

Prince & The New Power Generation (24.05.1992)



Prince hatte damals einen ziemlichen Lauf. Der Multiinstrumentalist hatte "Diamonds And Pearls" veröffentlicht - vielleicht eins seiner schönsten Alben. Die Singles "Cream" und "Get Off" wären auch heute noch echte Hits. Das folgende (unbetitelte) Album wieß schon auf Eskapaden à la "0)+>" (oder so ähnlich) hin. 1992 jedoch gab es noch gar keinen Grund am Genie des kleinen Mannes zu zweifeln. Sein Konzert der "Lovesexy"-Tour wurde im (Privat-)Fernsehen gezeigt und wer es aufgezeichnet hatte wurde ständig darum gebeten es mal auszuleihen. Kurz: Prince mußte man gesehen haben! Ich selbst war und bin kein großer Fan, doch ein damaliger Freund wollte unbedingt zu diesem Konzert und ich war aufgeschlossen genug um mit ihm und seiner Freundin mitzufahren (leider wollte er mir einen ähnlichen Gefallen im Juni nicht tun....).
Das Konzert wurde von einer der zahlreichen für den Nicht-Fan namenlosen musikalischen Spielgefährtinnen des Prince eröffnet. Ich meine mich zu erinnern, daß es Carmen Electra gewesen ist (doch das ist unbewiesen). Die Musik war jedenfalls eine bunte Mischung aus Pop und Funk und Dance und allem was dazu angetan ist weiße Ärsche zum wackeln zu bringen. Höflicher Applaus - mehr nicht. Das sollte sich dann bei Prince natürlich ändern. Der kleine (ja: winzige!) Mann hatte die Masse der Fans im Griff. Sogar auf den Rängen wurde getanzt (wenn einen nicht die hinter einem sitzenden Leute aufforderten sich bitteschön hinzusetzen!). Deutschland und Funk geht halt nicht zusammen. Sehr viel drumherum und mittendrin erinnere ich nicht. "Sexy M.F." wurde gespielt - was meinen sonst eher unterdrückt wirkenden Freund gefreut hat, konnte er hier doch ein unanständiges Wort herausposaunen. Und sonst? Ach ja, neben der Bühne waren zwei Leinwände aufgebaut. Da hat man -wenn ich es richtig erinnere- jedoch nicht die Künstler auf der Bühne gesehen. In der Umbaupause gab es Slogans, Songtitel usw., wobei insbesondere "7" die Fans immer wieder zu Jubelschreien animiert hat. "7". 7 Minuten noch? 7 Sekunden? Oder was? Natürlich ein Songtitel von 0)+> (oder so). Schönes Lied. Aber das wußte ich Ignorant damals noch nicht. Auch konnte ich nicht ahnen, daß nur etwa zwei Wochen später alle bisher erlebten Konzerte dieser Größenordnung nicht viel mehr als miese Dorffeste gewesen waren. 

Montag, 10. Dezember 2012

Winter! (09.12.2012)






Wegen einer Erkältung habe ich mich nicht aus dem Haus getraut um wirklich SCHÖNE Photos zu machen.

I had a bad cold (still suffering!), so I did not dare to leave the house in order to shoot some BEAUTIFUL pics.

Hannelore Hoger (09.12.12)


Hannelore Hoger ist leicht verschnupft. Kein Wunder - der Winter ist hereingebrochen und sogar in Bielefeld liegt etwas Schnee. Doch das kann einen echten Profi nicht abschrecken und so unterhält Frau Hoger ziemlich genau zwei Stunden lang mit teils köstlichen, teils traurigen und manchmal auch nachdenklich stimmenden Abschiedsbriefen von Frauen. Diese liest sie natürlich nicht nur vor, sie spielt sie. Sitzend. Allein durch Mimik und Stimme (herrlich verraucht: die Dietrich!). Unterstützt wird sie von Siegfried Gerlich, der am Flügel immer wieder kleine Atempausen schafft. Unaufdringlich spielt er Chopin oder Debussy, die Hoger wippt dann und wann dazu mit den Füßen. 
Im zweiten Teil kommen Texte von Kurt Tucholsky zu Gehör, wieder wunderbar vorgetragen. Die Zugabe sollte dann dem großen Humoristen Loriot vorbehalten sein. Doch nach der Hälfte von "Der Feierabend" (Stichwort: "Du sitzt da?") geht es nicht weiter, ein Zettel fehlt. Da amüsiert sich nicht nur das Publikum, auch Frau Hoger wird durch diesen Fauxpas zu einem herrlichen Lachen geleitet. Ersatz ist indes schnell gefunden: "Das Ei" - ebenfalls von Loriot. Köstlicher hätte der Abend kaum enden können. Schnupfen hin oder her.