Freitag, 1. November 2013

Tocotronic (01.11.2013)

Tocotronic endlich mal wieder in dieser legendären Kaschemme (frei nach Dirk von Lowtzow)! 2007 waren sie zuletzt hier, beim Album "Schall und Wahn" wurde (sehr zum Leidwesen des Autors) ein Bogen um Bielefeld gemacht. Nun aber, mit einem etwas seltsamen (aber nicht minder schönen) neuen Album sowie der 20-Jahre-Jubelplatte "20" im Rücken füllen Tocotronic das kleine Forum Bielefeld. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Es wird ein weiteres famoses Konzert der Gruppe aus "Hamburg und Berlin". 

Nach dem zunächst verhaltenen "Wie Wir Leben Wollen" geht es mit einem bunten Reigen alter (und neuer) Gassenhauer weiter: "Drüben Auf Dem Hügel", "Ich Möchte Irgendetwas Für Dich Sein", "Ich Bin Viel Zu Lange Mit Euch Mitgegangen", "Jackpot", "Let There Be Rock", "This Boy Is Tocotronic", "Hi Freaks", "Aber Hier Leben, Nein Danke", "Gegen Den Strich", "Mein Ruin", "Sag Alles Ab", "Macht Es Nicht Selbst", "Abschaffen", "Die Revolte Ist In Mir", "Warte Auf Mich Auf Dem Grund Des Swimmingpools"... Frenetisch werden die frühen Songs vom Publikum gefeiert, doch auch die neuen Stücke kommen gut an - wohl weil sie sich wie selbstverständlich (oder wie gute alte Freunde) zwischen die Klassiker (darf man das sagen?) mischen (lassen).



Auch die Band genießt den Auftritt vor kleinem Publikum: Rick McPhail spielt fast stoisch seine Guitahre (leider geht sein Gesang im Mix etwas unter) während die Musik durch die anderen hindurchzuströmen scheint: Dirk von Lowtzow windet sich hinter seinen Sechssaitern, daß es einem Angst und Bange wird (zerbricht das Instrument oder überlebt es dieses Konzert?) während Jan Müller (der nicht selten fast selig lächelt) seine Energie in stetigem ruckartigen Springen und einer Art von Headbangen entlädt. Derweil wirbelt Arne Zank am Schlagzeug, steht immer wieder auf und verbeugt sich (wie auch der Rest der Band) oder gibt den weisen Marabu (Charlie Watts läßt grüßen). Aufforderungen sich auszuziehen begegnet Dirk von Lowtzow mit launigen Sprüchen, er läßt einen Fan "Die Revolte Ist In Mir" weitergröhlen um einen Schluck zu trinken, der Schweiß fließt in strömen. Ist das wirklich "einfach Rockmusik"? Es macht jedenfalls schon Spaß der Band beim Spielen zuzusehen, die Qualität der Lieder ist ohnehin über so gut wie jeden Zweifel erhaben. Und spätestens wenn aus einer Feedback-Attacke die Akkorde von "Freiburg" ertönen befinden wir uns wieder in den 90ern: Wir schauen Viva statt MTV, tragen Trainingsanzüge, verweigern die Annahme von Preisen. Die Revolte ist in uns. Noch immer, auch Dank Tocotronic. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen