Freitag, 17. Januar 2014

Jochen Malmsheimer (17.01.2014)

Jochen Malmsheimer kommt aus dem Ruhrgebiet, aber das macht nichts. Trotz (oder gerade wegen) seiner Vorliebe für ein irisches Bier sowie einer Stammkneipe kommt er vokal so alert daher wie sonst kaum anderer. So wie er mal jemanden sehen möchte der "Sinn macht" möchte man Malmsheimer mal beim Texten erleben. Man kann ihn sich vorstellen: An einer Werkbank stehend, so wie es sie früher in manchem Keller gegeben hat. Etwa zweieinhalb Meter breit und mindestens 60 Zentimeter tief. An der einen Seite ein gigantischer Schraubstock und über der Arbeitsplatte eine schier unübersichtliche Auswahl an Werkzeugen, deren Namen und Verwendungszweck nur eingeweihten Personen auf Anhieb klar ist. Bekleidet mit einem Kittel der schon bessere Tage gesehen hat dengelt, werkelt, hämmert und hobelt Malmsheimer dann sicher bis spät in die Nacht (oder er zu einem Auftritt, z. B. vor dem Schornsteinfegerkonklave, gerufen wird). 


Es ist faszinierend, unterhaltsam, witzig (oder besser: humorvoll) und nicht selten auch nachdenklich stimmend wie überaus handwerklich geschickt Malmsheimer mit der deutschen Sprache umgehen kann. Dabei erzählt er im Grunde alltägliches, spitzt es zunächst unmerklich zu und steigert sich dabei fast bis zur Raserei, damit auch der letzte Depp den Wahn- und/oder Blödsinn begreift, der hier angeprangert wird: Kneipengespräche, dämliche Radiomoderationen und andere Wortergüsse die die Welt nicht verdient hat. Zwischendurch kommt es zu Anekdoten in denen er sich selbst nicht verschont (und er seine mangelhaften Englischkenntnisse auf der Flugzeugtoilette schmerzhaft vorgeführt bekommt als er den roten Knopf drückt während er noch auf dem Sitzmöbel... aber lassen wir das). Als Sahnehäubchen bekommt der erstaunte Zuhörer (Malmsheimer: "Ich sehe hier vorn nur leere Gesichter.") immer wieder Köstlichkeiten wie "mir nichts dir nichts" oder "Sapristi" und "Parbleu" vorgesetzt, die er oft genug aber gar nicht goutieren kann, da Malmsheimer schon längst wieder über etwas anders (oder aber das eigentliche Thema) spricht. Aber was soll man machen wenn man Ziel einer Verschwörung ist? Oder wenn man feststellt, daß die Welt und ihre Bewohner einzig und allein geschaffen wurden um einem auf den Sack zu gehen? Gut, die Schöpfung ist insofern gelungen - aber hat man dann noch Spaß? Nein, man hat Humor, lebt offenbar auch im Ruhrpott ganz gut (auch wenn man dem Spruch "Bochum macht jung" so gar nichts abgewinnen kann - übrigens zu Recht) und kommt dann und wann als netter Onkel auf die Kabarettbühne um dem Publikum vorzuführen wozu ein Germanistikstudium gut sein kann. Mancher (wie Malmsheimer) macht sogar was draus. In diesem Sinne: Chapeau!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen