Sonntag, 9. Februar 2014

Simple Minds (09.02.2014)

Warum eigentlich noch immer Simple Minds? Das letzte Album kam 2009 (!!) heraus, angeblich arbeitet man schon längst an neuen Songs blah-blah-blubb. Ich gebe es zu: Bei den letzten Tourneen bin ich schon gar nicht mehr hingegangen, weil es doch irgendwie immer das selbe gewesen ist. Wenn der heutige Tag nicht gerade ein besonderer für mich wäre, hätte ich auch dieses Konzert verpasst - und das wäre dann doch bedauerlich gewesen.Gut, es ist wieder mal eine "Greatest Hits Tour", aber wenn man 5 Jahre für ein neues Album braucht, kann man die Jubiläen auch mal nicht nach Dekaden feiern.


Die aktuelle Inkarnation der Band um die Originalmitglieder Jim Kerr und Charlie Burchill scheint eine Menge Spaß bei der Arbeit zu haben. Guitahrenfrickler par excellence Charlie grinst die meiste Zeit über sein nicht mehr ganz so schmales Gesicht während Jim im Publikum alle paar Minuten einen Bekannten zu entdecken scheint oder in der einen oder anderen Pose etwas länger verharrt als nötig, damit die zahlreichen Handykameranutzer auch auf ihre Kosten kommen. 


Andy Gillespie an den Tasteninstrumenten ist schon eine Weile (seit 2002) bei der Band, offiziellen Status will man ihm aber offenbar nicht gewähren (oder will er nicht?). Gut, irgendwie vermißt man Mick McNeil über 20 Jahre seit seinem Abgang noch immer, aber Gillespie läßt keine Zweifel aufkommen: Er ist ein versierter Tasten- und Elektronikmann. Spätestens wenn er allein mit Burchill ein verdammt aufgepimptes "Speed Your Love To Me" zum besten gibt fragt man sich warum er nicht längst auf den den Covern der Alben zu sehen ist und/oder in den Credits auftaucht.
Basser Ged Grimes massiert die Mägen des Publikums, tauscht immer wieder mit Charlie den Platz auf der Bühne und fügt sich überhaupt offenbar sehr gut in die Bandchemie ein. Das verwundert doch ein wenig, wenn man seinen Hintergrund bedenkt.
Sarah Brown ist nicht nur etwas zum hinschauen, sondern vor allem auch zum hinhören. Ihr "Dancing Barefoot" (von den Minds auf dem eher untergegangenen Album "Neon Lights" gecovert) ist einer der heimlichen Höhepunkte des Konzerts. Ihr Einsatz bei "Alive And Kicking" war großartig und überhaupt steht der mehrstimmige Gesang der Band ziemlich gut. Ebenso die mittlerweile recht interessante Mischung aus alten und neuen Songs. Letztere erfahren live nochmal eine ordentliche Überarbeitung und fangen tatsächlich an (dunkel) zu glänzen, was man von den Albumversionen nicht immer behaupten kann ("One Step Closer", "Let The Day Begin"). Der Ausflug in die Frühzeit der Band (also alles vor "New Gold Dream") fällt leider wieder zu knapp aus und mit "The American" sowie "Love Song" gibt es hier auch keine Überraschungen (hier hätte man sich nach der erfolgreichen "5X5 Tour" mehr erhofft), immerhin werden beide Versionen mit sehr viel Verve gespielt und die Menge dankt es der Band. Diese scheint vom Publikum in Ostwestfalen auch angetan zu sein. Die vielen Grinsegesichter auf der Bühne (nicht nur das von Charlie) sprechen eine recht eindeutige Sprache und so geraten auch schon mehrfach gelutschte Kamellen wie "Someone Somewhere In Summertime" oder "Don't You" zu Höhepunkten.
Mit einem echten Höhepunkt aber endet das Konzert. Die Zugabe beginnt ruhig mit dem großartigen "Let It All Come Down" um anschließend dem Publikum mit viel Getöse um die Ohren zu fliegen: Das Riff zu "Sanctify Yourself" ist ebenso simpel wie effektvoll und die leicht gedehnte Version dieses Klassikers reißt das Publikum nochmal zu Beifallsstürmen hin. "Alive And Kicking" ist nicht nur ein großartiger Song, sondern auch seit Jahren das bewährte Stück um das Publikum in die Nacht zu entlassen. Heuer aber gibt es anschließend noch eine fantastische Version von "Ghostdancing" mit einem Schuß "Gloria". Das Publikum klatscht sich die Hände wund und singt sich die Kehlen heiser, Jim gibt zu "too old for this" zu werden (weil die Fans die Band nicht gehen lassen wollen) und verspricht allen beim nächsten Mal ein Bier. Gar nicht so geizig, die Schotten.


Warum also nochmal Simple Minds? Weil ein Konzert von ihnen noch immer Spaß machen kann. Vielleicht nicht bei jeder Tour, aber wenn man eine verpasst hat und mit Zweifeln reingeht kommt man hinterher mit klingelnden Ohren und einem breiten Grinsen wieder raus.



Donnerstag, 6. Februar 2014

Dieter Nuhr (06.02.2014)

Dieter Nuhr. Der Großmeister der Pause. Der Mann, die nie unter die Gürtellinie schlägt - weil er über dieser Linie immer wieder und immer noch genügend Absurditäten des Lebens findet über die er reden kann. Zuletzt sah ich ihn "live" 2010 und irgendwie schien mir damals ein wenig die Luft raus zu sein. Gar so witzig wie bei früheren Auftritten (unvergessen das Jahr 2008 mit einem unfreiwilligen Co-Star, der seinen Zug nach Köln noch kriegen mußte und dabei an der Bühne vorbeilief und sich quasi bei Dieter Nuhr entschuldigte, was dieser für ein Zwiegespräch sowie anschließende Sticheleien nutzte) war er nicht mehr - oder zumindest kam es mir so vor. 
Nach einer kleinen Pause nun also "Nuhr ein Traum", ein Programm in dem es um positive Dinge gehen sollte. Diese wurden  aber (typisch Nuhr) nur in Nebensätzen abgehandelt, während alle Nörgler und ewig Beleidigten ihr Fett abbekamen. Warum auch muß man ständig meckern? Neu Seeland mag in der PISA-Studie vor uns liegen, aber Einwohner glauben gern, daß Hitler hier nicht mehr an der Macht ist und sich unter dem Namen "Osama Bin Laden" in den Osten abgesetzt hat. Pornofilme hält Nuhr für unrealistisch (was ihn nicht daran hindert ein Drehbuch für einen solchen Film zu verfassen) und angesichts der Tatsache, daß 30 % des Internetverkehrs (man möge mir das Wortspiel verzeihen) auf Porno zurückzuführen sind, wird klar warum die NSA alles ausspioniert: Man möchte da halt mitgucken.


So verschlägt es einen wie Nuhr schnell auf die angenehme Seite des Lebens. Er kann sich Gedanken machen über Sätze wie "Ist deine Mutter schwul, oder was?" (die Jugend stellt noch Fragen, aber den Erwachsenen mangelt es an Antworten) und freut sich, wenn Wissenschaftler mal etwas machen nur weil sie es können (z. B. leuchtende Pflanzen). Schelmisch entlarvt er Zahlenspielereien von Scharlatanen die nicht das Wetter für die nächsten 10 Tage vorhersagen können, aber den Meeresspiegel in cm im Jahr 2100. Gern feuert er eine politisch-religiös- und genderkorrekte Tirade ab um sich dann aber im Wirrwarr der Korrektheiten (absichtlich) zu verirren. Übertriebene Korrektheit geißelt er und freut sich doch über die kleinen Dinge des Lebens, zum Beispiel wenn jemand morgens geduscht hat. So einfach kann das Paradies sein. Und ein Traum muß es auch nicht bleiben. 

Sonntag, 2. Februar 2014

Cat & Meringue



Eine Katze und eine Süßspeise?
Eine Katze und eine Süßspeise?
Klingt durchgeknallt und ist es auch. 1000 Strips in 1000 Tagen ergeben (fast) 1000 Abenteuer - und die gibt es nun dank einer Kampagne auf Kickstarter in Form eines Buches zusammen mit Bonusstrips und allerlei Kuriosiäten wie sie sich nur ein Engländer ausdenken kann. Die Gags zünden manchmal nicht richtig, vieles erscheint fast surreal und irgendwie scheinen die Katze und die Süßspeise zu wissen, daß sie Teil eines Comics sind. Oder so. Gemeinsam schippern sie über den Ozean und erleben allerlei nicht gerade alltägliche Abenteuer, treffen auf das "Sambamarine" und Leute mit seltsam geformten Köpfen. Dazu gibt es im Buch teils erhellende, teils erheiternde Kommentare von Nich Angell, der für diesen Wahnsinn verantwortlich zeichnet (ha, ein Wortspiel!). Da er mir sehr nett auf meine Mail geantwortet hat will ich hier ein wenig werben, wobei das Video (erstellt von seiner besseren Hälfte) schon sehr gut für sich sprechen kann. Und das ohne Worte. 

Während "Cat & Meringue" sehr (sehr!) einfach (fast schon schluderig, man schaue sich nur die Rahmen an) gezeichnet ist (was aber zu dem Strip passt), ist "der Rest" von Nich's Arbeit sehr professionell. Kein Wunder, immerhin kann der Mann was: Zeichnen! Er ist Illustrator und davon sollte man sich auf seiner Heimseite mal überzeugen: