Sonntag, 13. Juli 2014

A Hard Day's Night (BluRay/DVD)



Frei nach Sgt. Pepper: „It was fifty years ago today…“ Tatsächlich – „A Hard Day’s Night“ kam vor einem halben Jahrhundert in die Kinos. Nun ist er (wieder) für das Puschenkino erhältlich, unter anderem in einem leidlich schön aufgemachten Digipak mit insgesamt 4 Scheiben (1 BluRay, 3 DVDs).

Was ist nun neu an diesem ersten Film der liverpooler Kanalratten? Nun, ehrlich gesagt: So ziemlich alles. Und auch nichts. Wenn man den Film heute sieht (gern auch zum x-ten Mal) fällt einem eher wenig auf. Und genau das ist das Geheimnis dieses „strange little film“ (wie es in einem der Extras heißt). Offenbar war der Film seiner Zeit SO weit voraus, daß Regisseur Richard Lester Jahrzehnte später bescheinigt wurde der Vater von MTV zu sein (worauf er lakonisch antwortete er würde gern einen Vaterschaftstest machen). Heute seit vielen Jahren Standard bei Musikvideos oder auch in Kunstfilmen: Leute sprechen direkt in die Kamera. Surrealer Humor. Das Kameraobjektiv zeigt gerade auf einen Scheinwerfer, vor dem sich die Silhouette eines Musikers abzeichnet. Bahnbrechend.

Ähnlich wie bei Produzent George Martin (der von der Klassik kam und dessen Label „Parlophone“ eben mit Aufnahmen klassischer Musik sowie Comedyplatten leidlich Geld für EMI verdiente) hatten die „boys“ wieder Glück: Filmproduzent Walter Shenson wählte eben jenen Richard „Dick“ Lester als Regisseur, obwohl der bis dahin eher Kurzfilme und Werbeclips gedreht hatte. Lester wählte Alun Owen um eine Art Drehbuch zu verfassen (welches tatsächlich für den Oscar® nominiert wurde!) und bevor sich die Werbeabteilung von United Artists meldete und einen Filmtitel verlangte (!) hörte man von der Filmfirma nichts mehr. Kreative Freiheit also, die trotz der ständig rauchenden Band in einer Altersfreigabe in den USA resultierte, die es wohl seit „Bambi“ nicht mehr gegeben hatte: Null Jahre. 

In etwa zwei Monaten wurde der Film abgedreht, alle Beteiligten hatten offenbar eine Menge Spaß und brachten ihre eigenen Ideen ein oder improvisierten einfach (so hat der damalige Schneider der Band im Film einen Kurzauftritt  – als Schneider der Band). George Harrison traf seine erste Frau Patti Boyd (die im Film auftritt) und ein dreizehnjähriger Phil Collins ist ebenfalls für ungefähr 2 Sekunden im Publikum beim Auftritt der Band am Ende des Films zu sehen. Es gibt eine tolle Szene mit George Harrison im Büro eines Marketingmenschen und natürlich Ringos Soloausflug mit Mantel, Schiebermütze und einer Kamera. Der Schlagzeuger wurde für sein schauspielerisches Talent gerade ob dieser Sequenz hoch gelobt, doch er gab zu, daß er am Abend vor dem Dreh gefeiert und dementsprechend wenig Schlaf gehabt hatte…  Vielleicht braucht es solche Zufälle und Begebenheiten um ein ziemlich zeitloses Kunstwerk zu schaffen. Alles in allem hat der Film seine fünfzig Jahre verdammt gut überstanden.
Besagter Digipak wartet also mit 2 DVDs reichlich gefüllt mit Bonusmaterial auf. Die einstündige Doku „You Can’t Do That“ (die tatsächlich schon 10 Jahre alt ist) sagt dabei wohl am meisten über die Entstehung des Films (und wird –natürlich- von einem wie üblich ziemlich geschmacklos gekleideten Phil Collins moderiert). So ziemlich alle Beteiligten kommen darin zu Wort – nur die vier Hauptdarsteller nicht. Das befremdet zunächst, stellt sich dann aber als durchaus passend heraus. So wird hier frei und ohne Druck aus den Erinnerungen geschöpft ohne einen Mythos bedienen zu müssen, was den Bandmitgliedern leider nicht immer gelingt.

Einer der bekanntesten dieser Mythen wird hier deutlich widerlegt: Shenson hatte bereits Ende 1963 Kontakt zur Band und es war bald klar, daß man den Film drehen würde, nachdem man in den USA in der „Ed Sullivan Show“ aufgetreten sei. Noch heute erzählt ein gewisser Bassist gern, man hätte den Auftritt (und die Tour) erst gebucht nachdem man einen Hit in den USA gehabt hätte. Vielleicht passierte das auch alles mehr oder weniger gleichzeitig, es ist aber in jedem Fall wohltuend eine andere Version der Geschichte zu hören.

Gut, in den Interviews wiederholen sich manche Geschichten, weshalb man argumentieren könnte es sei ein wenig übertrieben worden mit dem Bonusmaterial. Doch wenn man die bereits angesprochene Dokumentation als Basis nimmt und sich hinterher das eine oder andere Interview nochmal in Gänze (quasi als Bonus zum Bonus) zu Gemüte führt macht es sehr viel Spaß mit Regisseur, Kameramann oder Schauspielern in Erinnerungen zu schwelgen.
Und da sind wir vielleicht beim Hauptbestandteil des Films: Spaß. Oder ist es doch die Musik? Allein die Eröffnungstitel zeigen worum es geht: Nach dem bekannten Guitahrenriff galoppiert die Musik durch den Titelsong. Die Band wird von einer Horde Fans gejagt und rennt (bereits lachend) auf die Kamera zu. George stolpert über seine eigenen Füße und Ringo über ihn. John rennt weiter, krümmt sich vor Lachen. Der Bann ist gebrochen und wird sind in einem Film mit den Beatles. Fab!

The Beatles - A Hard Day's Night (Special Edition) - Koch Media - 1004105

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