Samstag, 26. Juli 2014

Suede: A New Morning

Suede waren immer anders. Als Blur und Oasis ihren Krieg um den Brit-Pop-Thron ausfochten standen sie Abseits (vielleicht zusammen mit den wunderbar verschrobenen Pulp) und taten so als ginge sie das alles gar nichts an. London boys halt. Dabei hatten sie ihr Debüt bereits 1993 veröffentlicht (als die Gallagher-Brüder noch gar nicht geboren waren) und im Anschluß ein fast noch besseres zweites Album veröffentlicht. So etwas geht eigentlich gar nicht, die Musikgeschichte ist immerhin voll von verhunzten zweiten Alben!

Noch vor Veröffentlichung eben jenes zweiten Albums ging der Guitahrist und zweite Songschreiber, ein Fan der Band ersetzte ihn. Zu anderen Zeiten schlossen sich Leute der Band an obwohl sie (der Legende nach) nur des Sängers Jacke ausleihen wollten, bekamen seltsame Krankheiten und lachten nie. 2002 erschien das zunächst letzte Album der Band. Da es damals nur auf CD erhältlich war mußte ich ein paar Jahre warten um mir das Album ("A New Morning") anhören zu können. 


2013 erschienen die Alben von Suede (wieder) und eben jenes erstmals auf Vinyl. Gut, die Kritiken damals waren eher verhalten, aber was heißt das schon? Manchmal kann man einem Kritiker zustimmen, manchmal ist eine miese Kritik Kaufgrund genug (vor allem wenn es um Bands geht die man schätzt). Suede waren/sind so eine Band: Die Andersartigkeit (siehe oben), die Arroganz, die verschwurbelten Texte, die ständig von seltsamen Menschen und/oder Drogen handelten... - what's not to like? Heute machen das Placebo ganz großartig (und mit wesentlich mehr Erfolg), damals war das nichts für den Massengeschmack (vor allem außerhalb des UK).

"A New Morning" enthält auch wieder die Anspielungen auf Drogen und es gibt einsame Mädchen, schöne Verlierer sowie das Astrogirl. Klingt alles sehr nach Brett Anderson. Doch es gibt eben auch positivies, unbetiteltes sowie einen Morgen und Ozeane. Zusammen mit dem in Rottönen gehaltenen Innencover hat man schnell den Eindruck, der Sänger und Texter erlebte damals so etwas wie einen neuen Morgen in seinem Leben. Weniger Asphalt, Asbest, Pillen und was sonst noch so in seinen Songs bis dahin herumgekullert war. Außerdem klingt seine Stimme leicht angekratzt - it's only rock'n'roll... Das muß man nicht mögen, kann man aber. Die Musik ist wieder etwas mehr guitahrenlastig (der Vorgänger war leicht elektronisch angehaucht) und die Songs sind kürzer (11 passen auf gerade 2 Schallplattenseiten). Und wieder: What's not to like? 



Sicher ist es nicht ihr bestes Album (den Ruhm teilen sich das Debüt und sein Nachfolger), aber es ist besser als "Head Music" und sicher nicht schlechter als das wesentlich erfolgreichere "Coming Up" (welches noch dazu das grottigste Cover aller Suede-Alben hat). Für mich hat sich die Warterei gelohnt. Niemand sonst kann solche Liebeserklärungen dichten: "And like flies on a windscreen/ And like insects in glue/ We could stick together/ If you wanted to". Das muß man sich mal vorstellen!

Suede - A New Morning - Demon Records - Insatiable 5

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