Dienstag, 20. Oktober 2015

Tocotronic - Prolog

Ein zweites unbetiteltes Album, dieses Mal in rot. "Die Welt" nennt es das "vielleicht schwulste Album der Welt", warum auch immer. Gut, es geht um Liebe. Aber was ist daran schwul? Wohl wahr: Die Liebe war bisher nicht so wirklich das große Thema der Band, doch Dirk von Lowtzow fand nun ebenso einfache wie geniale und vor allem schöne Zeilen für das Thema aller Themen.



Vorab gab es die Single "Prolog", auch als 10" aus transparentem Vinyl, auf der A-Seite mit der falschen Geschwindigkeitsangabe ("33 UPM") versehen, auf der Rückseite mit einem hübschen Remix von Tyler Pope, der vor allem das "baaah-ba-ba-baaah" noch mehr verspielt. Das Lied selbst ist ebenso einfach wie schön und wie üblich lässt der Text wohl mehrere Interpretationen zu: Erste Liebe, (erstes) verliebtsein oder nach der Party aufwachen, die Gifte im System spüren und sich fragen was das alles soll, Briefe schreibend an die Freunde in ihrer Oase der Langeweile. Wie auch immer: Diese Single ist ein neuer Beweis dafür, daß es nicht notwendigerweise immer so sein muß, daß sich ein Text in den Vordergrund drängt. Man kann Tocotronic genießen oder diskutieren, sehr wahrscheinlich sogar beides. Oder man tanzt dazu den eigenen Hass. 

Tocotronic - Prolog - 10" - Rock-O-Tronic/Vertigo/Universal 060254720764

Montag, 19. Oktober 2015

Akte X - Reopened?!

"Akte X" war in den 1990ern eine der großartigsten Serien überhaupt. Vielleicht sogar DIE großartigste. Zwei FBI-Agenten gehen mysteriösen Fällen aus der Gegenwart (und Vergangenheit) nach. Es gibt Monster, Außerirdische, Verschwörer, Sekten und Sekrete. Zimperlich war man damals nicht: Man sieht verkohlte Leichen, skrupellose und gefühlskalte Menschen die sich für Gott halten und in einer Folge tötet eine Art Mutant die Mutter eines blinden Mädchens. Vergessen sollte man auch nicht, daß "Akte X" die Mutter aller Mysteryserien ist: "Profiler", "Lost", "The Sentinel" oder auch (im weiteren Sinne) "The Mentalist" lassen sich wohl auf die X-Akten zurückführen.

Die beiden famosen Hauptdarsteller David Duchovny und Gillian Anderson wurden in ihrer Arbeit immer wieder von tollen "Neben"darstellern unterstützt: Jack Black, Lucy Liu und Seth Green haben kleine Rollen und keine geringere als Jodie Foster lieh einer bösartigen Tätowierung (!) ihre Stimme. Duchovny und Anderson spielten ihre Rollen mit viel Würde und einer prise Selbstironie. Die vor allem auf gegenseitigem Respekt basierende Beziehung der beiden blieb im Prinzip bis zum Ende glaubhaft, auch wenn ihre Geschichte (die zur "Mythologie" der Serie gehört, in der es eigentlich um eine Verschwörung einer Schattenregierung geht) im Lauf der Serie arg strapaziert wurde (gemeinsames Kind, aber nur durch künstliche Befruchtung).

Wie auch immer: Nach verflixt guten 5 Staffeln gab es 1998 einen ersten Kinofilm und anschließend ging es mit der Serie bergab. Die guten Folgen wurden rar, Duchovny hatte eigentlich keine Lust mehr und trat gegen Ende nur noch sporadisch auf. 2002 war Schluß. Danach gab es noch einen weiteren Kinofilm, der aber nur das Niveau einer durchschnittlichen Episode der Reihe erreichte. Außerdem litt er in Deutschland an der "fremden" Synchronstimme für Duchovny. Ein trauriges Ende für eine ehemals wegweisende Serie.

Doch nun....


Samstag, 17. Oktober 2015

Tocotronic Live In Bielefeld 2015

Nach knapp zwei Stunden entlässt Bielefeld (das, so versicherte man Dirk von Lowtzow während des Konzerts, ja nichts anderes hat) die Tocos in die Nacht - oder ist es anders herum? Immerhin, den Regen konnte die Musik vertreiben.



Nach vielen Jahren in denen die Band im kleinen Forum zu Bielefeld gastierte gab sie heuer ihr Debüt im Ringlokschuppen, dort allerdings im kleinen Saal. Der Wechsel der Lokalität (man muß es gestehen) stand der Band sehr gut: Die Bühne leidlich größer und mehr Platz für die kleine aber feine Lichtanlage gab es auch. So betraten die vier Tocos unter frenetischem Beifall die Bühne. Das Publikum war von der kurzzeitig zum Duo geschrumpften Band "Sarah and Julian" mit schmusigem (leicht elektrifiziertem) Singer/Songwriter/Folk auf die Hauptattraktion des Abends eingestimmt worden. Natürlich begann es mit "Prolog" aus dem wunderbaren (roten) Album, welches unnachahmlich beweist: Über Liebe kann man auch auf deutsch singen (ohne peinlich zu werden). Toll! Doch es wird noch besser: "Du bist ganz schön bedient", "Digital ist besser" sowie "Samstag ist Selbstmord" aus den frühen Jahren reihen sich selbstbewußt an neue Songs wie "Ich öffne mich", "Zucker", "Rebel Boy" oder "This boy is Tocotronic". Nach wie vor ist kaum zu glauben, daß die ältesten Titel bereits 20 (in Worten: zwanzig) Jahre alt sind. 

Seltsamerweise/leider/zum Glück sieht man aber eher nicht zwei Generationen von Fans beim Konzert. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind die Zuhörer mit den Mitgliedern der Band gealtert, haben wie diese die Trainingsjacken längst abgelegt - nicht aber den Zorn der aus Titeln wie "Aber hier leben, nein danke" schallt. Immerhin: Die Punkattitüde ist noch irgendwie vorhanden ("Sag alles ab"), doch dominiert eindeutig der Rock, den man mit ordentlich Guitahrenfrickelei verfeinert. Sowohl von Lowtzow (der mal wirkt als wolle sein Instrument nicht so wie er und mal als ob die Musik nur durch ihn hindurchfließt) als auch Rick McPhail (wirkt meist stoisch, ist aber immer da wo er sein soll) bearbeiten ihre Instrumente mit echter Hingabe. Jan Müller (von Lowtzow: "Für immer jung") spielt seinen Bass meist auf der Stelle hüpfend und zappelnd, während immer wieder fast spitzbübische Grinser ins Publikum oder zu den Kollegen gehen. Arne Zank am Schlagzeug mag manchmal unscheinbar wirken, doch nicht nur sein Fanclub ("Arne!!!") würde ihn schmerzlich vermissen wenn ein anderer den Takt vorgeben würde.

Nur gemeinsam schaffen die vier Tocos die einzigartige Mischung aus Lärm, Melodie und Lyrik, die die Band ziemlich unverwechselbar und (darf man das sagen?) einzigartig macht. Leider verlassen sie schon nach viel zu kurzen 75 Minuten das erste Mal die Bühne, um einen etwa halbstündigen zweiten Konzertteil nachzuschieben. Die Zugabe endet dann standesgemäß mit der Feedbackorgie "Explosion". Doch das Publikum will sich damit nicht zufrieden geben und fordert vehement eine Zugabe. Die kommt dann auch: "Freiburg". Zwar in einer sehr kurzen Version, aber immerhin. Auf dieser Tour gab es diesen Bonus anderswo nicht. 

Insgesamt ein runder (wenn auch viel zu kurzer) Abend mit einer (bzw. zwei) tollen Band(s), bei der (denen!) man sich wirklich darauf freut wenn es heißt "Bis zum nächsten Mal!". 

(Dank an Steve -Stevie?- aus Luxemburg für ein paar Bonusinformationen.)

Sonntag, 11. Oktober 2015

Herbst

Puh, der Sommer ist echt vorbei. Morgens friert man sich was ab, mittags scheint die Sonne und abends wird es gruselig. Da macht es Spaß sich an sonnigere Tage zu erinnern. Und Besucher von damals..




Freitag, 9. Oktober 2015

Herzlichen Glückwunsch, John!

I don't weep at night
I call your name

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Bank XII

September - 2013 - September