Sonntag, 24. April 2016

Der Stille Amerikaner

Es handelt sich bei diesem Film um einen etwas anderen Vietnam-Film! Während "Platoon" etc. den Wahnsinn des Krieges zeigen, beschreibt "Der stille Amerikaner" sozusagen die Vorgeschichte: Die USA ziehen im Hintergrund bereits die Fäden und gehen über einige Leichen, während der Rest der Welt noch mit den Nachwehen des 2. Weltkrieges zu tun hat und sich eigentlich gar nicht für dieses obskure Land in Asien interessieren. Michael Caine spielt hier souverän wie üblich (und übrigens ohne Gage, wie man den Extras entnehmen kann) und Brendan Fraser versucht sich halbwegs überzeugend mal nicht den vertrottelten Typen von nebenan zu spielen... Wer auf Kriegsaction steht ist hier falsch, wer aber auf solide Schauspielkunst, exzellent besetzte Rollen und eine durchaus dramatische Dreiecksgeschichte am Vorabend eines Krieges steht sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen!

"Der stille Amerikaner"
USA/AUS/D/F/UK, 2002
Regie: Phillip Noyce

Sonntag, 17. April 2016

The Happening

M. Night Shyamalan ist ein Verehrer von Alfred Hitchcock. Das ist erstmal gut. Leider hat er sich wohl gedacht er könne "Die Vögel" neu inszenieren. Ganz schlechte Idee: Aus den wirklich üblen Krähen und Möwen werden hier Pflanzen und die Bedrohung nur durch den Wind "sichtbar". Was nun wirklich nach einem B-Movie aus den 1970ern klingt wird auch leider so geschauspielert: Mark Wahlberg ist nun wirklich nicht gerade die erste Garde und aus ihm wird einfach kein Lehrer, auch wenn man ihm einen Polunder (!) zum anziehen gibt. Und selbst wenn: Ein Polunder tragender Lehrer verspottet sicher nicht die Co-Rektorin seiner Schule als "dunklen Lord" (so cool sind Lehrer in Polundern einfach nicht).

Vielleicht sollte man sich generell nicht mit der Logik von Horror(?)-Filmen auseinandersetzen, aber hier bleiben einfach eine Menge Fragen: Was ist mit den Sprachstörungen bevor eine Reihe Selbstmorde beginnt? Warum bringen sich nicht ALLE Menschen um sondern nur einige aus einer Masse? Warum sehen die offenbar nicht betroffenen alle anderen rückwärts laufen? Und vor allem: Wie schafft man es mit so einer dünnen Story Hollywood Geld aus dem Ärmel zu leiern?Glücklicherweise ist der Film nach etwa 90 Minuten vorüber, bei der dünnen Story hätte es auch nicht für mehr gereicht. Man mag sich nicht vorstellen, was der "Director's Cut" (Werbung: "Noch brutaler") zu bieten hat, denn die Schockelemente dieser Version wirken schon extrem aufgesetzt und passen so gar nicht zu den Stohpuppen, die anfangs von Wolkenkratzern fallen.

"The Happening"
USA/IND, 2008
Regie: M. Night Shyamalan

Sonntag, 10. April 2016

Spurensuche

Dieser Film findet genau die richtige Balance zwischen Komödie und Tragödie bzw. Drama: Der letzte Wille von Joshs Großvater bringt ihn zusammen mit seinem Sohn sowie seinem nach 30 Jahren zurückgekehrten Vater auf eine Reise die mal absurd und mal nachdenklich daherkommt. Am Ende steht eine schreckliche Wahrheit, die nicht leicht zu verarbeiten ist. - Ein tolles kleines Schauspielerensemble macht die Figuren sehr lebendig. Unglaublich, daß dieses Drehbuch 10 Jahre gebraucht hat um zu reifen und der Regisseur hier sein Debüt gibt!

"Spurensuche"
USA, 2004
Regie: Jordan Roberts

Sirocco

"Actiongeladen" (Werbung) ist der Film nun wirklich nicht. Er spielt zwar im von den Franzosen besetzten Damaskus, aber dafür sieht man erstaunlich wenige Kampfszenen. Das ist nicht unbedingt von Nachteil, denn das Schauspielerensemble ist sehr gut. Dennoch will nicht so wirklich Spannung aufkommen. Vielleicht liegt das daran, dass Bogart hier nicht gerade eine sympathische Rolle spielt und die eine oder andere Szene aus heutiger Sicht doch arg... sagen wir "naiv" oder "unbekümmert" rüberkommt, z. B. die Szenen nach dem Attentat auf das Lokal. - Für Bogart- und Genrefans vielleicht sehenswert, für alle anderen eher durchschnittliche Kost.

"Sirocco"
USA, 1951
Regie: Curtis Bernhardt

Dienstag, 5. April 2016

David Bowie - Sue (Or In A Season Of Crime)

Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer: Als im November 2014 diese Single erschien hatte das letzte Kapitel im Leben des David Bowie längst begonnen. Im Vorjahr hatte es ein neues (eher schwaches) Album gegeben, das erste seit 10 Jahren. Daraus ein paar Singles und Videos, aber keine Interviews und natürlich keine Tour. Nun also, heimgekehrt zu seinem ersten Label Parlophone (in Europa), ein neuerliches Best Of-Album sowie (wie mittlerweile üblich) eine neue Single. Ziemlich retro, ziemlich un-Bowie.


Was sollte das nur sein? Jazz? Experimental? Abgeschaut bei Scott Walker? Wie auch immer: Bowie (der wohl angeblich noch nichts von seiner Krebserkrankung wußte) überraschte noch einmal alle. Das sperrige Stück brummt und trötet vor sich hin, dazu Gesang, der sich nicht wirklich um die Musik zu kümmern scheint. Irgendwie.... atonal? Doch mit der Zeit packte einen das Stück und auf dem Album "Blackstar" gab es dann auch noch eine wunderbare Neuinterpretation (die Bowie auch der B-Seite "'Tis A Pity She Was A Whore" angedeihen ließ). Große Kunst eines großartigen Künstlers. 

David Bowie - Sue (Or In A Season Of Crime) - 10" Single - Parlophone - 10RDB2014

Sonntag, 3. April 2016

Auto Focus

Leider kommt der Film nicht in Schwung. An den exzellenten Darstellern liegt das nicht, auch nicht an den (gerade für eine Low-Budget-Produktion) liebevollen Dekors. Aber Bob Cranes Niedergang als beliebter Radio-DJ und TV-Serien-Held zu einem drittklassigen Gameshow-Moderator (wird im Film nur in einem Nebensatz erwähnt) und Theaterdarsteller kommt irgendwie nicht rüber. Einzig die Veränderung vom blütenreinen Spät-60er Stil hin zu dunklen und mit Wackelkamera gefilmten 1970ern zeigt, daß sich hier etwas verändert. Der Film bleibt vielleicht etwas zu sehr bei den beiden Hauptdarstellern. Insbesondere Cranes zweite Ehefrau (die von seinem Doppelleben offenbar gewußt hat) hätte etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. - Somit leider ein etwas blasser Film in dem zwei sehr gute Hauptdarsteller mit viel Herzblut spielen (im Audio-Kommentar aber dennoch erschreckend wenig zu sagen haben!): 2,5 Sterne.

"Auto Focus"
USA, 2002
Regie: Paul Schrader

Freitag, 1. April 2016

Bank XVIII

Mai - 2015 - May