Sonntag, 29. Mai 2016

Paul McCartney Live In Düsseldorf 2015

Paul McCartney mag keine langen Tourneen mehr. Daher hat er sich vor einigen Jahren dazu entschieden immer mal wieder auf 3monatige Konzertreisen zu gehen. Diese führen ihn auch immer wieder zu Orten an denen er noch nie oder zuletzt vor vielen Jahren gespielt hat. So auch auf seiner aktuellen "One On One" Tour. Düsseldorf hat er zuletzt mit den Wings vor über 40 Jaren (!) besucht und so kam es fast einer kleinen Ehre gleich, daß nach Nord- und Südamerika die Landeshauptstadt Ort des ersten Europakonzerts der aktuellen Show sein durfte.
Mehr oder weniger pünktlich (er hat vermutlich noch die "Tagesschau" geschaut) beginnt das Konzert mit "A Hard Day's Night". Das ist schon etwas besonderes, denn der Song wurde wohl mehrheitlich von John Lennon geschrieben. Es sollte nicht die letzte Überraschung des Abends werden!
Warum die Bühne nicht in der Mitte der Halle stand wird wohl das Geheimnis von Paul und seiner Crew bleiben (das Feuerwerk bei "Live And Let Die" kann nicht der Grund gewesen sein, oder??). Im Gegensatz zur letzten Tour (2011) wurde ziemlich ordentlich abgespeckt was die Show angeht. Das ist nicht unbedingt schlimm, aber hier kam nur das Publikum direkt vor der Bühne in den Genuss der VOLLEN Show. Alle anderen hatten zwar über die großen Bildschirme einen sehr guten Blick auf die Akteure auf der Bühne, aber von den Einspielfilmchen und Bildern (die nur auf der Bühnenmitte zu sehen waren) bekamen sie nichts mit. Sehr bedauerlich.

Paul spricht (wie er nicht müde wird zu betonen) ein wenig Deutsch. Das wirkt immer putzig, auch wenn man seine Geschichten schon seit Jahren kennt. Die "Zwei Frikadellen, bitte"-Episode aus den hamburger Tagen hat er schon 2011 erzählt, und warum er Sachen wie "Jakob der Rabe" in der Schule lernen mußte fragt er mindestens seit 2003 sich selbst und das (seltsamerweise immer noch) amüsierte Publikum.
Auch in der abgespeckten Version ist eine Paul McCartney-Show noch immer eine tolle Show. Die Band (Paul 'Wix' Wickens, Rusty Anderson, Brian Ray und Abe Laboriel Jr.) ist bestens eingespielt, alles andere wäre nach all den Jahren der Zusammenarbeit auch nur traurig. Zusammen mit Paul sind sie eine feste Einheit geworden, die auch nach Dutzenden (Hunderten!) von Auftritten noch frisch und gut aufgelegt ist wie am ersten Tag.
'Wix' glänzt mal wieder am Akkordeon oder auch (bei "Love Me Do") an der Mundharmonika. Abe bearbeitet die Felle wie ein Berserker, Rusty und Brian bedienen unterschiedliche Guitahren oder den Bass. Dabei zaubern sie Dinge wie "Temporary Secretary" aus dem Hut, oder auch "You Won't See Me", ein nettes kleines Beatles-Stück, das oft überhört wird. Highlights sind natürlich die Gassenhauer wie "Hey Jude", "Live And Let Die" oder "Band On The Run". Wie üblich dominieren die Songs der Beatles die Setlist, was mittlerweile doch ein wenig traurig macht. Der Katalog der Wings hält sicher noch viele Stücke bereit die es wert sind wieder (oder erstmals) vor großem Publikum gespielt zu werden. Immerhin gibt es mit "Let Me Roll It" und "Hi Hi Hi" echte Rocker aus den 70ern zu hören, die sich nicht vor ihren Kollegen aus den 60ern zu verstecken brauchen.
Neben den bereits erwähnten Raritäten gab es noch eine Überraschung: Das Sgt. Pepper-Album der Beatles wurde ausgerechnet von "Being For The Benefit Of Mr. Kite" repräsentiert. Auch das ein Song von John Lennon! Man darf gespannt sein ob McCartney in Zukunft diesen Weg weiter beschreiten wird und noch mehr Titel aus der Versenkung holt die er offensichtlich mag, aber nicht selbst geschrieben hat. Das wäre ein interessanter Ansatz, auch wenn der Autor lieber den Beatlesanteil an Pauls Konzerten etwas reduziert sehen würde.
Wie auch immer: Nach gut zwei Stunden (mit nur einer kleinen Pause um sich den Schweiß abzuwischen) verlässt McCartney mit Band Düsseldorf. Und wie üblich heißt es "Bis näxtes Mal. See you next time!". Aber hallo!




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